Die Zielformulierung

Es zeigt sich immer wieder, dass die Formulierung eines Zieles schon die halbe Miete innerhalb eines Coachingprozesses ist.

Auch wenn ich es mittlerweile besser wissen müsste, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wenn neue Klienten ihre Ziele noch nicht völlig klar formuliert haben und wir nicht direkt mit der Arbeit anfangen können.

Nein, in der Regel ist es in der Tat so, dass die Zusammenarbeit mit einer individuellen, ausführlichen und teilweise sehr hakeligen Zielformulierung beginnt.

Man glaubt es kaum, aber solch ein Prozess kann gut und gerne mal Stunden verschlingen – etwas was mir die meisten Klienten zu Beginn nicht glauben und sich einigermaßen überrascht darüber zeigen, dass Sie an dieser Stelle zuerst mal investieren und richtiggehend arbeiten müssen.
Sicher ist, eine konkrete, ausdifferenzierte, gut durchdachte und machbare Zielformulierung ist ein riesen Schritt in Richtung eben jenes Ziels und spart hinten raus eine Menge Zeit und Energie.

Attribute einer Zielformulierung

Was für Attribute sollte solch eine Zielformulierung denn erfüllen?
Aus meiner Sicht spielen drei wesentliche Komponenten eine Rolle. Klar, das Modell lässt sich beliebig erweitern oder gerne auch kürzen. Ich persönlich lege aber Wert auf die nun folgenden drei Merkmale:

  1. Machbarkeit. Das Ziel zu erreichen muss machbar sein. Beispielsweise macht es keinen Sinn ein Ziel zu formulieren á la „ich möchte 12 Finger haben, damit ich besser Klavier spielen kann“. Sprich es muss realistisch sein.
  2. Positiv formuliert. Das Ziel sollte positiv formuliert sein.
  3. Konkrete Zeitangaben. Ich halte es für überaus sinnvoll und notwendig, dass ein Ziel auch ein konkretes Zeitziel innehat.

Wie gesagt, man kann diese Liste um viele Punkte erweitern. Beispielsweise lege ich auch Wert darauf, dass es nicht als Wunschformulierung endet. Also bitte kein „Ich will“ sondern lieber ein „ich werde“. Aber das sind Details, die dann gemeinsam herausgearbeitet werden können. Vor allem aber sind es Details, die veränderbar sind. Je nach Persönlichkeit, je nach Kontext ist es ab und an sogar sinnvoll ein „ich will“ zu integrieren.

Wer braucht denn Ziele?

Diese Frage beantwortet sich von selber. Das Kind, das Laufen lernt, braucht ein Ziel. Es möchte eine Stelle erreichen, etwas holen, etwas haben. Und um dorthin zu kommen ist der schnellste Weg das Laufen. Also verfolgt es ein Ziel.

Wir Erwachsenen verlieren konkrete Ziele manchmal aus den Augen. Bzw. viele Menschen beschränken sich auf materielle Ziele. Job, Auto, etc. Aber Ziele innerhalb der persönlichen Entwicklung, also z.B. auch die Frage „was für ein Mensch möchte ich sein?“, sind immens wichtig. Viele merken erst, dass Ziele in dieser Hinsicht wichtig gewesen wären, wenn es schon fast zu spät ist. Die Krise ist dann da und aus einer schwachen Position heraus lässt sich ein Ziel noch viel schwerer formulieren.

Aus meiner Sicht ist es sehr sinnvoll seine persönlichen Ziele regelmäßig und kontinuierlich zu hinterfragen und jeweils auch neu zu äußern.

 

Ihr Daniel Scholz